Hubertus Brantzen

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Pater Joseph Kentenich: Stationen seiner Kindheit in Gymnich

 

Zum Umgang mit dem Pilgerbuch

Das Pilgerbuch (gedruckte Ausgabe zu bestellen beim Patris-Verlag) stellt acht Stationen der Kindheit Pater Kentenichs in Gymnich vor:

 

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1 Vertrauen – Maria

Die Antonius-Kapelle (11 Km entfernt)

2 Allein ohne Vater

Der schwere Weg vor der Geburt

3 Familie sein

Im Haus der Großeltern

4 Im Herzen der Kirche

Die Pfarr- und Taufkirche

5 Das Leben mit der Kirche

Die Annakapelle (Kohlstraße nach Westen etwa 1 Km)

6 Der Ernst des Lebens

Die Schule

7 Freude und Stolz

Das Schloss von Gymnich

8 Auf dem Weg

Zeichen einer christlichen Kultur

Quellen und Literatur

 

Je nachdem, wieviel Zeit für den Besuch eingeplant ist, können verschiedene Möglichkeiten gewählt werden.
In jedem Fall lohnt es sich, zunächst das Geburtshaus am Kunibertusplatz zu besuchen und dort zum Überblick das Video (ca. 40 Min.) über die Kindheit Pater Kentenichs in Gymnich anzusehen.
Im Geburtshaus gibt es die Möglichkeit, einen Gottesdienst zu halten, nach Absprache mit dem Pfarramt auch in der Pfarrkirche.

Möglichkeit A – ein halber Tag:

Station 2 Geburtshaus
Station 4 Kirche
Station 3 Geburtshaus

Möglichkeit B – ein ganzer Tag:

Station 2 Geburtshaus Station 1 Antonius-Kapelle (Man fährt mit dem Auto etwa 11 km.)
Station 4 Kirche
Station 7 Schloss Gynich
Station 6 Ort der abgerissenen Schule
Station 3 Geburtshaus

Möglichkeit C – zwei Tage oder bei einem weiteren Besuch:

Wie bei Möglichkeit B, dazu die

Station 8 Mariensäule und Nepomuk-Brücke
Station 5 Anna-Kapelle

Die Betrachtungen sind so geschrieben, dass auch andere Reihenfolgen möglich sind.
Eine Übersichtskarte finden Sie hier:

 

Karte Gymnich

 

Die menschliche Seele ist eine wunderbare Schöpfung. Kein Eindruck, der von ihr aufgenommen, der in sie eingraviert wurde, geht verloren. Früher oder später setzen alle diese Eindrücke in irgendeiner Weise den menschlichen Willen, die menschliche Persönlichkeit in Bewegung. Sie ahnen, von welcher Bedeutung beispielsweise die ersten Eindrücke sind, die wir als Kinder in uns aufgenommen haben.

Pater Joseph Kentenich, Pädagogische Tagung 1951

 

Zur Einstimmung

Kindheit

Es ist wie mit feuchtem Ton, in den jemand Bilder oder Schriftzeichen eindrückt. Solange der Ton noch feucht ist, lassen sich die Einritzungen bearbeiten und verändern. Doch wenn er ge-trocknet und gebrannt wird, entsteht eine bleibende Prägung.

Ähnlich ist es mit der Kindheit eines Menschen. Das, was während der ersten Jahre seiner Kindheit, ja sogar bereits während der neun Monate der Schwangerschaft, an Erfahrungen auf ihn einströmt, gibt seinem Leben eine Richtung. In einem anderen Bild ausgedrückt: In dieser Zeit wird das Drehbuch seines Lebens geschrieben.

Jeder Mensch erlebt in seiner Kindheit beglückende, aber auch niederdrückende Begegnungen und Umstände. Doch damit ist sein Leben nicht einfach vorherbestimmt. Es kommt darauf an, was er daraus macht. Es kommt darauf an, wie er im Laufe seines Lebens mit Licht und Schatten seiner Kindheit umgeht. Ob er sich auf Neues einlassen, sich schweren Situationen stellen und von anderen helfen lassen kann.

Gläubige Menschen entdecken in den Erfahrungen der Kindheit den Beginn eines Lebensweges, den Gott in frohen und schweren Lebenstagen liebevoll begleitet. Wenn ein Mensch eine schwierige Kindheit hatte, ist die Frage weniger: Wie konnte Gott so etwas zulassen? Auch wenn wir viele Zweifel hegen, lautet die eigentliche Frage: Was mag Gott wohl mit diesem Menschen vorhaben, dass er ihm solches zumutet?

Diese Frage können wir sicher auch im Blick auf die Kindheit Pater Joseph Kentenichs stellen: Was wird wohl aus diesem Kind werden? In einer Zeit, in der unverheiratete, schwangere Frauen geächtet wurden und unehelich geborene Kinder wenig Rechte besaßen, hatte es der kleine Joseph schwer. Doch für ihn gab es auch die Liebe seiner Mutter, die Geborgenheit, die er nach anfänglichen Problemen im Haus der Großeltern erfahren durfte. Und dann waren da alle die kleinen oder intensiven Gegebenheiten, die das Leben in einer Dorfgemeinschaft und in einer Pfarrgemeinde am Ende des 19. Jahrhunderts bereicherten und beeinflussten.

Dieses Pilgerbuch geht einigen Stationen der Kindheit Joseph Kentenichs nach. Erfahrungen, von denen wir wissen, werden neben Ausblicke auf das gesellschaftliche und kirchliche Milieu jener Zeit gestellt. Und immer wieder steht die Frage im Hintergrund: Was wird aus diesem Kind werden?

Etwa 130 Jahre nach seiner Geburt wissen wir heute, was aus diesem Kind geworden ist. Seine Lebensgeschichte aus der heutigen Perspektive betrachtet, lässt uns staunen, was ein Mensch aus seinem Leben und seiner Berufung machen kann, wenn er seine Wurzeln anerkennt und sich der Führung Gottes überlässt.

So sind wir eingeladen, jenen Spuren nachzugehen, die Pater Kentenich in seinem Heimatort hinterlassen hat, und zugleich über unsere eigene Berufung nachzudenken.